Kurze Antwort: Fangen wir mit dem an, was die meisten Vergleiche verschweigen: Ein VPN macht dich nicht DSGVO-konform. Es schützt deine Verbindung, ersetzt aber keinen Auftragsverarbeitungsvertrag und keine einzige Pflicht aus der Verordnung. Wenn du trotzdem eins brauchst: Proton VPN hat einen dauerhaft kostenlosen Tarif ohne Datenlimit, NordVPN hat gar keinen. Proton sitzt in der Schweiz, für die ein EU-Angemessenheitsbeschluss gilt; NordVPN operiert nach eigener Angabe unter der Gerichtsbarkeit Panamas, für das keiner gilt. Und NordVPNs Preis verdreifacht sich nach der ersten Laufzeit. Geprüft am 29. September 2026.

Grundlage dieses Beitrags: Wir haben weder NordVPN noch Proton VPN produktiv im Einsatz. Dieser Text wertet die öffentlichen Angaben beider Anbieter aus und ordnet sie rechtlich ein – an den Primärquellen geprüft, nicht bei anderen Vergleichsseiten abgeschrieben. Zu Geschwindigkeit, Bedienung und Support sagen wir deshalb nichts. Mehr zu unserem Vorgehen in der Methodik.

Der wichtigste Punkt zuerst: Ein VPN ist keine DSGVO-Maßnahme

„DSGVO-konform dank VPN“ ist eine Formulierung, die in der VPN-Werbung ständig auftaucht und die in dieser Form nicht stimmt. Ein VPN verschlüsselt die Verbindung zwischen deinem Gerät und einem Server des Anbieters. Das ist nützlich – aber es ist keine der Pflichten, die die DSGVO dir auferlegt.

Konkret: Ein VPN erspart dir keinen Auftragsverarbeitungsvertrag mit deinem Hoster, deiner Buchhaltungssoftware oder deinem Cloud-Speicher. Es erspart dir kein Verarbeitungsverzeichnis. Es verhindert keine Datenpanne in deinem Postfach. Und es ändert nichts daran, dass du eine Meldefrist von 72 Stunden hast, wenn doch etwas passiert. Was tatsächlich zu tun ist, steht in unserem Beitrag zur DSGVO für Selbstständige.

Wofür ein VPN als Selbstständige wirklich taugt: Du arbeitest regelmäßig aus Netzwerken, die dir nicht gehören – Coworking, Hotel, Café, Konferenz. Dort ist eine verschlüsselte Verbindung eine sinnvolle technische Maßnahme im Sinne von Art. 32 DSGVO, also eine von mehreren, nicht die eine, die alles abdeckt. Wer dagegen ausschließlich aus dem eigenen Büro über den eigenen Anschluss arbeitet, löst mit einem VPN-Abo vor allem ein Problem, das er nicht hat.

Und ein Punkt, der selten gesagt wird: Dein VPN-Anbieter wird dadurch nicht zum Auftragsverarbeiter für die Daten deiner Kunden. Er transportiert verschlüsselten Verkehr, er verarbeitet nicht die Inhalte. Dafür verarbeitet er Verbindungsdaten über dich – und genau deshalb ist die Frage, wer der Anbieter ist und wo er sitzt, überhaupt relevant.

Gerichtsbarkeit: der einzige Unterschied mit rechtlicher Folge

Proton VPNNordVPN
Sitz / GerichtsbarkeitSchweizPanama (Muttergesellschaft Nord Security: Niederlande)
EU-AngemessenheitsbeschlussJa, seit 26. Juli 2000, am 15. Januar 2024 von der EU-Kommission bestätigtNein für Panama
Folge für DatenübermittlungenÜbermittlung ohne zusätzliche Garantien möglichZusätzliche Garantien nach Kapitel V DSGVO nötig, wenn personenbezogene Daten übermittelt werden
Angaben der Anbieter sowie des Schweizer Bundesamts für Justiz zur Angemessenheit, geprüft am 29. September 2026.

Was ein Angemessenheitsbeschluss bedeutet, steht im Klartext beim Bundesamt für Justiz: Personenbezogene Daten können aus der EU und dem EWR in das betreffende Drittland übermittelt werden, „ohne dass zusätzliche Garantien erforderlich sind“. Für die Schweiz gilt das seit dem 26. Juli 2000, und die EU-Kommission hat es am 15. Januar 2024 in einem Bericht ausdrücklich bestätigt.

Für Panama gibt es keinen solchen Beschluss. NordVPN selbst begründet die Wahl damit, dass es in Panama keine gesetzliche Vorratsdatenspeicherung gebe und deshalb keine Protokolle gespeichert werden müssten. Das ist ein nachvollziehbares Argument für die Privatsphäre – es ersetzt aber keinen Angemessenheitsbeschluss, wenn es um die formale Einordnung nach DSGVO geht.

Bevor das jetzt größer klingt, als es ist: Für den typischen Fall – du nutzt ein VPN für deine eigene Verbindung – übermittelst du keine Kundendaten an den VPN-Anbieter, und die Frage nach Kapitel V DSGVO stellt sich nicht in der Schärfe. Relevant wird sie, wenn der Anbieter Bestandteil deiner Arbeitsumgebung wird, etwa bei einer Business-Lösung fürs Firmennetzwerk. Dann ist die Schweizer Ansässigkeit ein administrativer Vorteil, weil eine Prüfstufe entfällt.

Und ein Detail, das in Vergleichen fast immer fehlt: NordVPN operiert zwar unter panamaischer Gerichtsbarkeit, die Muttergesellschaft Nord Security sitzt aber nach eigener Angabe in den Niederlanden. „Außerhalb der EU“ ist also keine vollständige Beschreibung der Struktur.

Der kostenlose Tarif: der klarste Unterschied

Proton VPN hat einen dauerhaft kostenlosen Tarif, NordVPN hat keinen. Das ist der praktisch wichtigste Unterschied für jemanden, der ein VPN nur gelegentlich braucht – etwa auf Reisen oder im Coworking.

Was Proton Free laut Anbieter enthält: ein Gerät gleichzeitig, mittlere Geschwindigkeit, Verbindung zu Servern in zehn Ländern (zufällig zugewiesen), keine Kreditkarte erforderlich. Proton betont ausdrücklich, dass der kostenlose Tarif ohne Datenlimit und ohne künstliche Geschwindigkeitsbegrenzung auskommt und dass die No-Logs-Politik auch dort gilt.

Für den Anwendungsfall „ich sitze zwei Wochen im Jahr im Hotel-WLAN und will meine Verbindung absichern“ reicht das. Ein Gerät, zehn Länder, kein Datenlimit – mehr braucht es dafür nicht. Wer Streaming, P2P oder die Länderauswahl will, landet im Bezahltarif.

NordVPN: Der beworbene Preis ist nicht der Preis, den du zahlst

Das ist der Fund, für den sich der Blick in das Kleingedruckte lohnt. NordVPN wirbt mit Monatspreisen ab 3,89 € – die aber nur für die erste Laufzeit gelten. Der Verlängerungspreis steht auf derselben Seite und ist ein Vielfaches davon:

Tarif (2-Jahres-Abo)Beworben / MonatErste 24 Monate gesamtVerlängerungDas sind / MonatFaktor
Basis3,89 €93,36 €139,08 € / Jahr11,59 €2,98×
Komplett4,89 €117,36 €219,48 € / Jahr18,29 €3,74×
Ultimativ Max8,89 €213,36 €338,28 € / Jahr28,19 €3,17×
Preis- und Verlängerungsangaben von nordvpn.com/de, geprüft am 29. September 2026. Die Monatswerte der Verlängerung und die Faktoren sind eigene Berechnung.

Was das über vier Jahre bedeutet: Beim Tarif Basis zahlst du 93,36 € für die ersten 24 Monate und danach zweimal 139,08 € – zusammen 371,52 € für 48 Monate. Das sind im Schnitt 7,74 € im Monat, also das Doppelte des beworbenen Preises. Wer nach der ersten Laufzeit nicht aktiv kündigt oder neu verhandelt, zahlt still den vollen Satz weiter.

Zur Einordnung: Ohne Laufzeit kostet Basis 14,99 € im Monat, Komplett 19,99 € und Ultimativ Max 23,79 €. Die Verlängerungspreise liegen also unter dem Monatstarif, aber weit über dem, womit geworben wird. Alle Tarife umfassen 10 Geräte und eine 30-tägige Geld-zurück-Garantie.

Praktischer Rat, unabhängig vom Anbieter: Trag dir das Ende der Laufzeit in den Kalender ein, und zwar zwei Wochen vorher. Bei VPN-Abos ist die automatische Verlängerung zum vollen Preis der Regelfall, nicht die Ausnahme.

Was wir nicht klären konnten

  • Die aktuellen Preise von Proton VPN. Und das sagen wir ausdrücklich: Die Preisseite von Proton lädt ihre Beträge erst im Browser nach, im Seitenquelltext stehen Platzhalter. Wir konnten die Zahlen deshalb nicht so belegen, wie wir die NordVPN-Zahlen belegen können – und veröffentlichen sie daher nicht. Schau sie dir direkt auf protonvpn.com an. Was wir bestätigen können: eine 30-tägige Geld-zurück-Garantie und zehn gleichzeitig geschützte Geräte im Tarif VPN Plus.
  • Geschwindigkeit, Stabilität und Support. Wir haben keinen der beiden Dienste im Alltag genutzt und behaupten dazu nichts.
  • Ob die No-Logs-Versprechen halten. Beide Anbieter werben damit, beide verweisen auf externe Prüfungen. Wir haben die Prüfberichte nicht selbst gelesen und können sie deshalb nicht bewerten.
  • Ob NordVPN bei der Verlängerung verhandelbar ist. Bei Abo-Diensten sind Rabatte für kündigende Kunden verbreitet; ob NordVPN das tut, wissen wir nicht.

Für wen was?

  • Proton VPN Free, wenn du ein VPN nur gelegentlich brauchst – Reise, Coworking, fremdes WLAN. Ein Gerät, kein Datenlimit, keine Kreditkarte. Für diesen Zweck ist ein Abo schlicht nicht nötig.
  • Proton VPN Plus, wenn du mehrere Geräte absichern willst, die Länderauswahl brauchst oder wenn dir die Schweizer Ansässigkeit aus den oben genannten Gründen wichtig ist. Besonders naheliegend, wenn du ohnehin über einen Wechsel bei E-Mail und Cloud nachdenkst – Proton bündelt das.
  • NordVPN, wenn dich das Funktionspaket überzeugt und du bereit bist, den Verlängerungstermin aktiv zu managen. Rechne mit den Preisen aus der rechten Tabellenspalte, nicht mit denen aus der Werbung.
  • Gar keins, wenn du ausschließlich aus dem eigenen Büro über den eigenen Anschluss arbeitest. Dann investierst du die 90 bis 370 € besser in Dinge, die tatsächlich DSGVO-Pflichten erfüllen.

Häufige Fragen

Macht mich ein VPN DSGVO-konform?

Nein. Ein VPN verschlüsselt deine Verbindung und kann eine technische Maßnahme im Sinne von Art. 32 DSGVO sein – eine von mehreren. Es ersetzt weder Auftragsverarbeitungsverträge mit deinen Dienstleistern noch das Verarbeitungsverzeichnis, noch ändert es etwas an deiner Meldepflicht bei einer Datenpanne. Werbeaussagen wie „DSGVO-konform dank VPN“ sind in dieser Form irreführend.

Ist Proton VPN oder NordVPN datenschutzrechtlich besser für deutsche Selbstständige?

Formal hat Proton den Vorteil: Die Schweiz verfügt seit dem 26. Juli 2000 über einen EU-Angemessenheitsbeschluss, den die Kommission am 15. Januar 2024 bestätigt hat – Datenübermittlungen dorthin brauchen keine zusätzlichen Garantien. NordVPN operiert nach eigener Angabe unter panamaischer Gerichtsbarkeit, für die kein Angemessenheitsbeschluss vorliegt; die Muttergesellschaft sitzt in den Niederlanden.

Gibt es NordVPN kostenlos?

Nein, einen kostenlosen Tarif gibt es nicht. NordVPN bietet eine 30-tägige Geld-zurück-Garantie, das ist aber kein Gratis-Tarif, sondern ein Rückgaberecht. Wer dauerhaft kostenlos ein VPN nutzen will, findet das bei Proton VPN Free – dort allerdings begrenzt auf ein Gerät und zehn Länder.

Was kostet NordVPN nach dem ersten Jahr?

Deutlich mehr als beworben. Laut Preisseite verlängert sich Basis zu 139,08 € pro Jahr, Komplett zu 219,48 € und Ultimativ Max zu 338,28 €. Umgerechnet sind das 11,59 €, 18,29 € beziehungsweise 28,19 € im Monat – rund das Drei- bis Vierfache der beworbenen Einstiegspreise von 3,89 € bis 8,89 €.

Brauche ich als Freiberufler überhaupt ein VPN?

Es kommt darauf an, wo du arbeitest. Wer regelmäßig aus fremden Netzen arbeitet – Coworking, Hotel, Café, Konferenz –, für den ist eine verschlüsselte Verbindung eine sinnvolle Absicherung. Wer ausschließlich aus dem eigenen Büro über den eigenen Anschluss arbeitet, gewinnt datenschutzrechtlich wenig und sollte das Budget eher in die tatsächlichen Pflichten stecken.


Grundlage und Quellen, geprüft am 29. September 2026: Preisseite von NordVPN für Deutschland (nordvpn.com/de/pricing) mit Laufzeit- und Verlängerungspreisen; NordVPN-Supportartikel zur Gerichtsbarkeit; Preis- und Funktionsseite von Proton VPN (protonvpn.com/de/pricing); Bundesamt für Justiz der Schweiz zur Angemessenheit der Schweiz durch die EU, mit der Kommissionsentscheidung vom 26. Juli 2000 und dem Bestätigungsbericht vom 15. Januar 2024; Art. 32 und Kapitel V DSGVO. Monatswerte und Faktoren der NordVPN-Verlängerung sind eigene Berechnungen. Wir nutzen keinen der beiden Dienste produktiv.

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