Zeiterfassung
Von Ulrich Weber · 12. Oktober 2026
Kurze Antwort: Harvest ist das einzige Zeiterfassungswerkzeug in unserem Vergleich, dessen kostenloser Tarif echte Rechnungen schreibt – begrenzt auf einen Platz und zwei Projekte. Drei Dinge sollte man vorher wissen: Der Platzpreis ist nicht der Endpreis, weil zusätzliche Rechnungen, Projekte und Kunden nach Verbrauch abgerechnet werden; die Daten liegen ausschließlich in den USA, ohne europäische Option; und Harvest gehört inzwischen der italienischen Bending Spoons S.p.A. Geprüft am 12. Oktober 2026.
Grundlage dieses Beitrags: öffentliche Angaben des Anbieters, geprüft an Preisseite, Sicherheits-FAQ und Auftragsverarbeitungsvertrag – kein Praxistest. Mehr dazu in unserer Methodik.
Was es kostet – und warum die Zahl nicht reicht
| Tarif | Jahrestarif | Monatlich | Was drin ist |
|---|---|---|---|
| Free | 0 $, „forever“ | 0 $ | 1 Platz, 2 Projekte, Zeiterfassung, Rechnungsstellung, Ausgabenerfassung, bis zu 4 eigene Berichte |
| Teams | 9 $ je Platz und Monat (108 $ im Jahr) | 11 $ | Mehrere Plätze, abrechenbare Stundensätze |
| Enterprise | 14 $ je Platz und Monat (168 $ im Jahr) | 17,50 $ | Zusätzliche Verwaltungsfunktionen |
| Enterprise Plus | auf Anfrage | — | — |
Beim Jahrestarif gibt es 20 Prozent Nachlass, automatisch angewandt. Die Testphase dauert 30 Tage und verlangt keine Kreditkarte – „We don’t collect credit card info when you start a trial“, schreibt der Anbieter, was angenehm aus der Reihe fällt.
Der Gratis-Tarif: das einzige mit Rechnungen
Harvest beschreibt ihn selbst als „Built for individual freelancers“ und listet: ein Platz, zwei Projekte, Zeiterfassung, Rechnungsstellung, Ausgabenerfassung, Mac- und iOS-Apps. Das ist in dieser Kategorie ungewöhnlich – weder Clockify noch Toggl geben die Rechnungsstellung im kostenlosen Tarif heraus.
Die Grenze von zwei Projekten entscheidet alles. Wer zwei laufende Mandate hat, bekommt hier kostenlos einen vollständigen Arbeitsablauf von der Stoppuhr bis zur Rechnung. Wer drei hat, fällt sofort heraus. Es gibt kein weiches Limit und keine Staffelung dazwischen.
Eine Einschränkung, die der Anbieter selbst dazuschreibt und die man leicht überliest: „The usage of some features may require the payment of fees.“ Auch im kostenlosen Tarif können also einzelne Funktionen kostenpflichtig sein.
Noch ein Hinweis zur deutschen Rechnungsstellung, bevor jemand den Gratis-Tarif als Rechnungsprogramm einsetzt: Ob die erzeugten Rechnungen die Pflichtangaben nach § 14 Abs. 4 UStG abbilden und ob E-Rechnungsformate unterstützt werden, haben wir nicht geprüft. Für deutsche Rechnungsstellung siehe unsere Übersicht der Rechnungsprogramme – und wenn du E-Rechnungen ausstellen musst, zuerst E-Rechnung: wen die Pflicht wann trifft.
Wo die Daten liegen – und wem Harvest heute gehört
Die Sicherheits-FAQ beantwortet die Frage ohne Umschweife: „All our infrastructure is hosted by Google Cloud and all data is located in the U.S. We also back up data with Amazon Web Services, also located in the U.S.“ Und auf die Nachfrage, ob irgendetwas außerhalb der USA liege: „No, all of our data is stored within the U.S.“
Eine europäische Datenregion gibt es nicht. Das unterscheidet Harvest von Clockify, wo sie zumindest als Bezahlfunktion existiert, und erst recht von mite mit Servern in Berlin.
Der Auftragsverarbeitungsvertrag liegt öffentlich vor, zuletzt aktualisiert am 15. April 2026, und wird durch die Nutzung angenommen: „By taking an action indicating acceptance of the Agreement or by using the Services, you agree to the terms of this DPA.“ Die Drittlandübermittlung läuft über Standardvertragsklauseln mit irischem Recht; der Anbieter formuliert selbst: „You acknowledge that in connection with the performance of the Services, we are a recipient of European Data in the United States.“
Interessant ist, wer in diesem Vertrag als Datenimporteur steht: die Bending Spoons S.p.A., Via Nino Bonnet 10, Mailand. Harvest ist also kein eigenständiges US-Unternehmen mehr, sondern gehört zu einem italienischen Konzern – während die Server weiterhin in den USA stehen. Für die DSGVO-Einordnung ändert das wenig, für das Bild, das viele von Harvest haben, einiges.
Zwei Sätze aus der Sicherheits-FAQ, die wir nicht unterschlagen wollen, weil sie in jeder Prüfung auftauchen würden. Zur Zertifizierung: „We rely on our server host’s audit, and they are SOC 2 compliant.“ Das ist die Zertifizierung des Hosters, nicht die von Harvest. Und zum Risikomanagement: „While we don’t perform specific formal periodic risk assessments…“ Beides muss kein Ausschlussgrund sein – man sollte es nur gelesen haben, bevor ein Kunde danach fragt.
Die Liste der Unterauftragsverarbeiter ist öffentlich, und man kann sich für Benachrichtigungen eintragen: „If you opt-in to receive such email, we will notify you at least 30 days prior to any such change.“
Für wen lohnt sich Harvest?
| Deine Lage | Unser Urteil |
|---|---|
| Du hast zwei Projekte und willst Zeit und Rechnung in einem Werkzeug | Ja. Das macht sonst kein kostenloses Angebot |
| Du hast mehr als zwei Projekte | Rechne nach. 9 $ je Platz plus verbrauchsabhängige Kosten, deren Höhe nicht veröffentlicht ist |
| Dein Kunde fragt nach dem Speicherort der Daten | Nein. Ausschließlich USA, keine europäische Option |
| Du brauchst Nachweise für ein Konzern-Audit | Vorsicht. Das SOC-2-Testat gehört dem Hoster, und formale periodische Risikobewertungen führt der Anbieter nach eigener Aussage nicht durch |
| Du willst nur messen, wohin die Zeit geht | Nein – dafür ist es überdimensioniert. Siehe Kostenlose Zeiterfassung |
| Du brauchst deutsche E-Rechnungen | Nein. Dafür ein deutsches Rechnungsprogramm, siehe unsere Übersicht |
Was wir nicht klären konnten
- Wie viel die verbrauchsabhängigen Zusatzkosten betragen. Der Anbieter nennt sie, beziffert sie aber nicht. Das ist der wichtigste offene Punkt dieser Seite.
- Ob die Preise netto oder brutto sind. „All prices in USD“ ist alles, was dazu auf der Preisseite steht.
- Ob die erzeugten Rechnungen den deutschen Pflichtangaben genügen und ob E-Rechnungsformate unterstützt werden. Nicht geprüft – und deshalb auch nicht behauptet.
- Bedienung, Zuverlässigkeit und Support. Wir nutzen Harvest nicht produktiv.
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Häufige Fragen
Ist Harvest wirklich kostenlos?
Ja, dauerhaft – für einen Platz und zwei Projekte, und mit Rechnungsstellung. Der Anbieter schränkt allerdings selbst ein, dass einzelne Funktionen auch dort kostenpflichtig sein können.
Kann ich meine Daten in Europa hosten lassen?
Nein. Harvest speichert ausschließlich in den USA und bietet keine Regionenwahl an. Wer das braucht, kommt in dieser Kategorie zu mite oder zu Clockify im Pro-Tarif.
Wem gehört Harvest?
Im Auftragsverarbeitungsvertrag ist die Bending Spoons S.p.A. aus Mailand als Datenimporteur und Auftragsverarbeiter benannt. Die Infrastruktur bleibt in den USA.
Was kostet Harvest wirklich pro Monat?
Das lässt sich aus den veröffentlichten Angaben nicht abschließend berechnen. 9 $ je Platz im Jahrestarif sind der Grundpreis; zusätzliche Rechnungen, Projekte, Kunden und Aufgaben kommen nach Verbrauch dazu, ohne veröffentlichte Tarife. Frag vor dem Abschluss nach.
Quellen, geprüft am 12. Oktober 2026: getharvest.com/pricing, die Sicherheits-FAQ im Hilfebereich von Harvest, das Data Processing Agreement in der Fassung vom 15. April 2026 und die Liste der Unterauftragsverarbeiter. Preise in US-Dollar wie vom Anbieter ausgewiesen, nicht umgerechnet. Angaben ohne Gewähr; dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung. Wie wir arbeiten, steht in unserer Methodik.